ROOKIE

Mein Erstes-Mal

 

Es kam durch unseren guten Freund, der die Idee hatte auf der Rennstrecke in Assen einen Termin zu buchen. (dort wo Rossi und Co fahren …wow!)

Die Frage, ob wir mitkommen beantwortete mein Mann sofort mit "Ja"…ich …zögerte.

Nach endlosem Überlegen war das Training schließlich ausgebucht.

Unser Freund hatte einen Platz …wir nicht. Egal dachte ich mir, vielleicht ist es auch besser so… ich war hin und her gerissen.

Unserem Freund gaben wir die Zusage mit zu kommen, um zu helfen wo wir können.

Der Tag ist gekommen. Unser Freund konnte kaum schlafen, wir schon… sind ja nur die Boxen Crew.

Ankunft kurz nach 7 Uhr. Wir auf dem Motorrad, unser Freund mit Auto und Anhänger.

Durch den Tunnel, auf dem zu lesen ist "Cathedral of Speed" …an der Tankstelle vorbei, rechts ins Fahrerlager eingebogen …hier bin ich richtig.

Erst alles abladen und dann zur Veranstalter-Box den Papierkram für die Anmeldung erledigen.

Auf dem Weg dorthin wurden wir zig Mal angelächelt und begrüßt, obwohl wir all diese Leute gar nicht kannten. Motorradfahrer …einfach nette Leute.

 

Der Freund ist angemeldet. Dann die Nachfrage meines Mannes ob noch 2 Plätze frei wären (obwohl ich zehnmal gesagt habe ich will nicht fahren) Die Antwort "Ja wir haben 2 Absagen, ihr könnt Fahren, wenn ihr wollt." Mein Mann sofort "YES", …ich sofort "NEIIIN"

Die Gegenfrage vom Veranstalter "Wieso nein? …komm mal hier rüber, wir müssen reden."

Ich dachte o.k., …was will sie denn von mir?

Sie hat mich gefragt, warum ich nicht fahren möchte. Ich erklärte Ihr, dass ich schon lange Motorrad fahre, aber eben noch nie auf einer Rennstrecke und die Schnellste bin ich auch nicht und möchte keinem im Weg stehen. Sie erklärte mir die Einteilung der Gruppen und das Verhalten auf der Rennstrecke. Sie schob mir den Haftungsverzicht hin "dort musst du unterschreiben, aber die Entscheidung ist natürlich deine." Ich habe diesen Veranstalter, diese Frau nicht gekannt. Sie hat sich trotzdem die Zeit genommen, um mit mir zu reden. Vielleicht hat sie schon etwas gesehen, was ich in mir selbst noch gar nicht mitbekommen habe, also war ich auch angemeldet - mit Instruktor. (kann ich wirklich jedem empfehlen der noch nicht auf einer Rennstrecke war)

Dann ging es zur Fahrerbesprechung, die war ausführlich und gut verständlich. Danach folgte die Gruppeneinteilung, nun lernten wir auch unseren Instruktor kennen. Er gab uns Warnwesten und kurze Anweisungen zum Verhalten auf der Strecke und sagte uns wir sollten keine Angst haben, er passe schon auf uns auf. 5 Minuten vor Turnbeginn treffen wir uns. Ich war sowas von aufgeregt …ich wusste ja nicht was mich erwartet, ich habe KEIN YouTube Video angeschaut, NICHT monatelang nachgelesen was ich mitnehmen, was ich tun soll …ich war einfach da und habe gemacht was mir gesagt wurde.

 

Unser 1. Turn …fiel aus wegen eines Unfalls. Kann ja mal passieren, ist halt leider so.

Turn 2: Der Moment, wenn die Ausfahrt der Boxengasse verlassen wird, …ist unbeschreiblich!

Ich war hinter dem Instruktor, danach die beiden Männer. …was hat der Instruktor gesagt? …Konzentration auf die Strecke, Blickführung und seine Linie, die er fährt, einfach kopieren. -einfach- so klingt das, aber ich war überfordert. Gefühlt wie in der ersten Fahrstunde unterwegs vergas ich vor lauter Konzentration zu schalten. Assen im 6. Gang einmal rum …dann kam die karierte Flagge, …überlebt, dachte ich. Nach dem Turn haben wir noch lange mit unserem Instruktor über Gutes und Verbesserungswürdiges gesprochen.

Turn 3: Jetzt wurden die Plätze hinter dem Instruktor gewechselt. Nun die Männer vor mir hinterm Instruktor. Das wichtigste Ziel: die Ideallinie zu treffen. Wieder einfacher als gesagt, tausend Gedanken: Ideallinie, Bremsen, Blickführung, …verdammt, wieder vergessen zu schalten.

In der Nachbesprechung ging es weiter mit der Theorie am Streckenplan. Ich fühlte mich wieder überfordert. (Ich bevorzuge learning by doing)

Turn 4: Das war gefühlt der Beste! Weit weg von Körperhaltung, Bremspunkt usw. begannen mein Motorrad und ich flüssig zu fahren. Dieser Turn hat so viel Spaß gemacht, da war ich schon sicher. …ich komme wieder!

Turn 5: …und weiter geht’s …Übung macht den Meister! Mit dem Instruktor an unserer Seite ging es auch immer besser. Danach wieder eine intensive Nachbesprechung.

Turn 6: letzter Turn, leider. In diesem Turn fand keine Verbesserung mehr statt, mit Absicht vom Instruktor. Wir haben uns den ganzen Tag ausgetobt, wir waren fix und fertig und den letzten Turn haben wir einfach nur genossen. In der letzten Runde haben wir uns im Vorbeifahren bei den Streckenposten per Handzeichen bedankt …wie die Großen in der Moto GP …war ein geiles Gefühl!

 

Und die Moral von der G'schicht: Egal was für ein Motorrad du fährst, egal aus welchem Land du kommst, egal ob du weiblich oder männlich bist, auf der Rennstrecke hast du eine zweite Familie auf die Du immer zählen kannst.

 

Mein Kopf und mein Körper waren müde, ich war froh, dass ich dabei war und ich war müde, weil ich dabei war. Ein überwältigendes Gefühl. Zum Schluss haben wir uns noch beim Veranstalter bedankt, dass sie diesen tollen Tag für uns ermöglicht hat und ich habe versprochen, dass wir uns noch sehen ...weil ich wieder komme!

 

Meine Gefühle schwankten zwischen traurig und froh.